Zu teuer, zu voll, zu schwer und überhaupt nicht für mich geeignet. Das ist kurz gesagt mein Fazit zum Thema „Gefüllte Fluchtrucksäcke“. Was auf den ersten Blick super praktisch klingt (jemand packt den Fluchtrucksack für mich und ich muss ihn nur noch griffbereit irgendwo hinstellen) – ist für mich nicht praktikabel, und ich verrate euch hier, warum.
Kleiner Exkurs vorab: Was nimmt man im Notfall mit? Das Nötigste!
Ich muss beim Thema „Flucht“ ja immer an die Geschichten meiner Oma (geb. 1910) denken, die 1945 mit zwei kleinen Mädchen an der Hand durch den bitterkalten Winter von Schlesien aus vor den Russen gen Westdeutschland geflüchtet ist. Was hat sie mitgenommen?
- einen Bollerwagen zum Ziehen (Rucksack hatte sie nicht)
- ein Huhn zum Schlachten (sie kam vom Bauernhof)
- Gutes Schuhwerk
- Wärmende Kleidung
- Ein Messer
- Das Mindeste an Erinnerungen, worauf sie nicht verzichten konnte und das sich gut tragen ließ – also ein paar Fotos und Co.
Sie hatte kaum Zeit, um irgendwas zu packen. Also hat sie sich auf das Nötigste beschränkt – logisch.
Was ist in vorgefüllten Fluchtrucksäcken nicht enthalten? Das Nötigste!
Vorgefüllte Fluchtrucksäcke sind meines Erachtens nach nicht geeignet für Situationen, in denen wir „mal eben schnell“ vor einer spontan eintretenden Notsituation flüchten müssen, beispielweise…
- ein Feuer
- eine Überschwemmung
- eine Evakuierung
In solchen Situationen brauchen wir schnell das Nötigste: Unsere Ausweise, das Handy, eine Zahnbürste, etwas zu essen, eine Flasche Wasser, Ladekabel, Powerbank und ein paar weitere Hygieneartikel vielleicht, um ein paar Tage zu überstehen.
Fertige Fluchtrucksäcke, die es so auf dem Markt zu kaufen gibt, sind dafür „oversized“. Sie helfen mir eher weiter, wenn ich mich irgendwo tief im Wald verlaufe, mich vor Wildtieren verteidigen und mir wochenlang mein Essen selber jagen muss. Es ist aber viel wahrscheinlicher, dass mich ein Feuer, eine Überschwemmung oder eine Evakuierung treffen, wie ihr auch hier im Artikel Krisenvorsorge in Deutschland nachlesen könnt.
Schauen wir uns das Ganze nochmal genauer an. Warum sind vorgefüllte Fluchtrucksäcke für mich persönlich ungeeignet?
Erster Grund: Gefüllte Fluchtruckäcke sind viel zu teuer!
Hier kommt ein Screenshot (20.07.2025) der allerersten Produkt-Auswahl, die Google zum Thema „Gefüllte Fluchtrucksäcke“ anbietet:

Ich habe die Anbieter und die Hersteller auf dem Screenshot einmal unkenntlich gemacht. Was fällt sofort ins Auge? Die dreistelligen Preise – eine ganz schöne Hausnummer!
Wer soll sich denn über 400 Euro pro Rucksack leisten können?
Klar ist: Das sind größtenteils Rucksäcke für gehobene Prepper-Ansprüche. Schauen wir also mal auf die Inhalte, vielleicht lohnt es sich ja. Allerdings muss ich feststellen…
Zweiter Grund: Die Inhalte der fertigen Fluchtrucksäcke passen nicht zu mir
Der erste dieser teuren Rucksäcke, die ich mir genauer ansehe, ist sogar als Fluchtrucksack für Frauen zugeschnitten. Auf den ersten Blick klingen die Inhalte gar nicht schlecht:
- Da ist ein genormtes DIN 13164 PLUS-Erste-Hilfe-Set enthalten.
- Dann gibt es ein Hygiene-Set inklusive Menstruationstasse, Tampons, Wasch- und Rasierartikeln. Leider wird nicht näher erläutert, um welche Menstruationstassen, Tampons, Wasch- und Rasierartikel es sich dabei handelt. Das lässt mich bereits meine Stirn runzeln: Menstruationstasse ist nicht gleich Menstruationstasse, und auch bei den Rasierartikeln habe ich persönlich so meine Favoriten und Artikel, die ich niemals kaufen und verwenden würde.
Hier kaufe ich also die Katze im Sack, denn keiner der Inhalte wird näher spezifiziert.
Das ist übrigens bei den meisten, gefüllten Fluchtrucksäcken, die ich mir angesehen habe, der Fall – die wenigsten Produkte geben nähere Infos zu den Herstellern der Inhalte.
Aber weiter geht’s mit meinem ersten Beispiel: Da ist auch noch ein Nahrungs-Set enthalten, das zum Beispiel aus Koffein-Schokolade und Spezialzwieback besteht.
Beides wäre in der Tat nicht meine erste Wahl, wenn ich 3 Tage woanders verbringen müsste.
Ich frage mich außerdem, ob ich mit dem ebenfalls enthaltenen Gaskocher wohl umgehen könnte – und ob er von guter Qualität ist, erschließt sich auch nicht.
Manche Dinge erscheinen mir ja durchaus sinnvoll – die warme Mütze beispielsweise, oder auch die reflektierende Weste. Die Stirnlampe kommt mir persönlich etwas übertrieben vor, wenn ich in der Zivilisation an einer Bombenentschärfungs-Evakuierung teilnehme. Und ich will ehrlich sein: Ich habe keine Ahnung, wozu ich 5 Meter Paracord benötigen könnte?
Auch der Rucksack der Konkurrenz ist nix für mich.
Da gibt’s als Lebensmittelration Beef Jerky, einen Klappspaten für die Wildnis und sogar eine Handkettensäge. Okay, wenn ich im australischen Outback strande, dann sind diese Dinge mit Sicherheit sinnvoll.
Als Mama, die vielleicht mit Kind und Kegel vor einer Überschwemmung in eine Pension flüchtet, kann ich damit wenig anfangen.
Dritter Grund: Vorgepackte Fluchtrucksäcke sind viel zu schwer – und es ist viel zu viel für mich drin
Eins muss ich den Herstellern dieser Fertig-Fluchtrucksäcke ja lassen: Sie haben es wirklich perfektioniert, die 1.000 Artikel sehr kompakt in verhältnismäßig kleine Rucksack hineinzukomprimieren. Trotzdem wiegen die Dinger 12 Kilo, und das ist für die meisten Frauen-Fluchtrucksäcke einfach zu viel.
Es gilt die Faustregel: 10-15% des Körpergewichts sollte ein Fluchtrucksack maximal wiegen.
Fazit: Gefüllte Fluchtrucksäcke sind nicht alltagstauglich
Das klingt vielleicht wie ein Widerspruch in sich, aber ich meine das total ernst: Alltagstauglichkeit ist für mich persönlich auch beim Fluchtrucksack wichtig. Wenn ich mir überlege, welche Krisen mich am wahrscheinlichsten treffen (womit ich im Artikel Preppen für Anfänger ausführlicher beschäftige), dann habe ich eines klar vor Augen: Es ist doch eher unwahrscheinlich, dass mich ein Feuer, eine Überschwemmungen oder eine Bombenevakuierung ins Outback verschlagen, wo ich mich dann über Campingkocher, Handkettensägen und Klappspaten freue.
Ich werde vermutlich eher einige Tage im Haus einer Freundin, in einer kostengünstigen Pension oder meinetwegen auf dem Feldbett einer Turnhalle verbringen. Dort hätte ich vielleicht lieber ein gutes Buch, um die Wartezeit zu überbrücken.
Was ist die Alternative zu vorgefüllten Fluchtrucksäcken?
Meiner Ansicht nach führt kein Weg daran vorbei, sich selbst Gedanken darüber zu machen, welche Krisen einen wirklich treffen können und was man dafür braucht. Damit startet ihr am besten, indem ihr meine Checklisten Schritt für Schritt durcharbeitet. Ich führe euch nach und nach durch die wichtigsten Entscheidungen – und das Ganze ist nicht einmal besonders aufwändig. Indem ihr eure Krisenvorbereitung auf eure Bedürfnisse auslegt, spart ihr bares Geld und seid im Ernstfall clever gerüstet. Es lohnt sich!
Und wir sehen mal wieder: Vorbereitung ist eine sehr individuelle Angelegenheit, bei der vorgefertigte Lösungen oft nicht greifen.
Happy Prepping, ihr Lieben!


