Stell dir vor, du bist unterwegs – beim Joggen im Park, auf dem Weg zur Arbeit oder beim Wocheneinkauf. Plötzlich passiert es: Ein schwerer Sturz, ein plötzlicher medizinischer Notfall oder ein Unfall im Straßenverkehr. Du bist nicht mehr ansprechbar. Wenn jetzt der Rettungsdienst eintrifft, zählt jede Sekunde. Die Sanitäter müssen wissen: Wer bist du? Welche Vorerkrankungen hast du? Nimmst du wichtige Medikamente? Und vor allem: Wer muss jetzt sofort benachrichtigt werden?

In einer solchen Extremsituation ist dein Smartphone heutzutage der wichtigste Schlüssel und ein bedeutender Teil deiner Krisenvorsorge. Doch wenn dein Bildschirm mit einem Code, Face-ID oder deinem Fingerabdruck gesperrt ist, stehen Helfer vor einer digitalen Wand. Genau hier kommen die sogenannten Notfallinformationen und Notfallkontakte (auch bekannt als ICE-Kontakte: In Case of Emergency) ins Spiel.

In diesem Ratgeber erfährst du, wie diese Funktion dein Leben schützen kann, wer im Ernstfall darauf Zugriff hat und wie du sie in wenigen Minuten auf deinem iPhone oder Android-Gerät einrichtest.

Was sind Notfallinformationen auf dem Handy?

Die Notfallinformationen auf deinem Smartphone sind eine Art digitaler Notfallpass. Du kannst dir das vorstellen wie den klassischen Zettel im Portemonnaie, nur deutlich sicherer, strukturierter und im Ernstfall viel schneller auffindbar.

Diese Funktion ermöglicht es dir, lebenswichtige medizinische Daten und ausgewählte Kontakte so auf deinem Smartphone zu hinterlegen, dass sie direkt auf dem Sperrbildschirm angezeigt werden können. Zu den Daten, die du dort eintragen kannst, gehören:

  • Medizinische Daten: Blutgruppe, Allergien (z. B. gegen Penicillin), chronische Erkrankungen (z. B. Diabetes, Asthma) und regelmäßig einzunehmende Medikamente.
  • Persönliche Details: Dein Name, dein Geburtsdatum und ob du einen Organspendeausweis besitzt.
  • Notfallkontakte: Telefonnummern von engen Angehörigen (Partner, Kinder, Eltern), die von den Rettungskräften direkt aus dem Sperrbildschirm heraus angerufen werden können.

Wann kommen die Notfallinfos zum Zuge und wer kann sie abrufen?

Die Notfallinformationen sind ausschließlich für den medizinischen Ernstfall oder akute Krisensituationen gedacht.

Wer kann die Daten einsehen?

Jeder, der dein Telefon im Ernstfall in die Hand nimmt – seien es Ersthelfer, Passanten, der Notarzt oder die Polizei. Das Geniale daran: Dein Smartphone muss dafür nicht entsperrt werden. Die Daten sind über eine spezielle Schaltfläche auf dem Sperrbildschirm zugänglich.

Bleiben meine restlichen Daten geschützt?

Ja, absolut. Viele Menschen haben verständlicherweise Sorge um den Datenschutz. Doch das System ist extrem sicher gelöst: Wer den Notfallpass aufruft, sieht ausschließlich die von dir explizit freigegebenen medizinischen Daten und die ausgewählten Notfallkontakte. Ein Zugriff auf deine Fotos, deine privaten Chats, Banking-Apps oder deine E-Mails ist weiterhin komplett gesperrt. Du gibst also im Grunde nur ein kleines, geschütztes Schaufenster deiner Daten für den Rettungsdienst frei.

Schritt-für-Schritt-Anleitung für Apple (iPhone)

Auf dem iPhone ist diese Funktion im sogenannten Notfallpass (Medical ID) integriert, der direkt mit der Apple Health-App verknüpft ist.

So richtest du den Notfallpass auf dem iPhone ein:

  1. Öffne die vorinstallierte Health-App auf deinem iPhone (das weiße Icon mit dem roten Herz).
  2. Tippe oben rechts auf dein Profilbild oder deine Initialen.
  3. Wähle unter den Optionen den Punkt „Notfallpass“ aus.
  4. Tippe oben rechts auf „Bearbeiten“.
  5. Ganz wichtig: Aktiviere den Schieberegler bei „Im Sperrzustand zeigen“ (und idealerweise auch „Beim Notruf teilen“). Wenn dieser Regler deaktiviert ist, können Ersthelfer deine Daten nicht sehen!
  6. Trage nun deine medizinischen Daten ein: Geburtsdatum, Erkrankungen, medizinische Hinweise, Allergien und deine Blutgruppe.
  7. Scrolle nach unten zum Bereich „Notfallkontakte“ und tippe auf das grüne Pluszeichen (Notfallkontakt hinzufügen).
  8. Wähle eine Person aus deinen Kontakten aus und bestimme eure Beziehung zueinander (z. B. Ehepartner, Mutter, Sohn).
  9. Tippe oben rechts auf „Fertig“, um deine Einstellungen zu speichern.

Wie rufen Helfer den Notfallpass auf dem iPhone ab?

Wenn das iPhone gesperrt ist, wischt man nach oben (oder drückt die Hometaste), sodass die Code-Eingabe erscheint. Unten links tippt man auf „Notruf“ und anschließend unten links auf „Notfallpass“. Schon sind alle Daten sichtbar und die Kontakte anrufbar.

Schritt-für-Schritt-Anleitung für Android-Smartphones

Da es bei Android-Geräten viele verschiedene Hersteller (wie Samsung, Google, Xiaomi oder Sony) gibt, können die Bezeichnungen in den Menüs leicht variieren. Der grundlegende Pfad ist jedoch bei fast allen modernen Geräten sehr ähnlich.

So richtest du die Notfallinformationen unter Android ein:

  1. Öffne die „Einstellungen“ deines Smartphones (das Zahnrad-Symbol).
  2. Scrolle nach unten und suche nach dem Punkt „Sicherheit und Notfall“ (bei älteren Versionen oder manchen Herstellern zu finden unter „Nutzer und Konten“„Notfallinformationen“ oder direkt über die Suchleiste der Einstellungen nach „Notfall“ suchen).
  3. Tippe auf „Notfallinformationen“ oder „Medizinische Informationen“.
  4. Trage hier deinen Namen, deine Blutgruppe, Allergien und deine aktuellen Medikamente ein.
  5. Gehe einen Schritt zurück und wähle den Punkt „Notfallkontakte“.
  6. Tippe auf „Kontakt hinzufügen“ und wähle die gewünschten Personen aus deinem Adressbuch aus.
  7. Achtige darauf, dass die Option „Auf Sperrbildschirm anzeigen“ bzw. „Zugriff auf Notfallinfos zulassen“ aktiviert ist.

Wie rufen Helfer die Informationen auf einem Android-Handy ab?

Auf dem gesperrten Bildschirm wischt man nach oben, um zur Mustereingabe oder PIN-Abfrage zu gelangen. Unter dem Eingabefeld tippt man auf die Schaltfläche „Notruf“. Es öffnet sich das Notruf-Tastenfeld. Ganz oben (oder direkt auf dem Bildschirm) erscheint nun ein Feld mit der Aufschrift „Notfallinformationen“ (oft rot hinterlegt). Tippt man dort doppelt darauf, öffnen sich deine hinterlegten Daten.

Der Krisenqueen-Tipp für die Praxis

Das Einrichten dauert nicht länger als fünf Minuten, schenkt dir und deinen Liebsten aber im Ernstfall unbezahlbare Sicherheit. Wenn du deine Notfallkontakte einträgst, sprich am besten kurz mit den ausgewählten Personen darüber. So wissen sie direkt Bescheid, dass sie auf deinem Sperrbildschirm hinterlegt sind und im Falle eines Anrufs von Rettungskräften nicht vor Schreck blockieren.

Nimm dir am besten am nächsten freien Tag kurz die Zeit, checke dein Smartphone und mach es krisensicher. Es ist ein kleiner Klick für dich, der im Ernstfall den entscheidenden Unterschied machen kann!

Und nun – Happy Prepping, ihr Lieben – und bleibt gesund!

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