Prepper werden traditionell eher in der rechtskonservativen Ecke verortet: Seltsame Spinner, die sich irgendwelche Krisenszenarien zusammenreimen, Panik verbreiten und einen Atomschutzbunker unter ihrem Haus bauen. Schrullige MacGyvers mit Funkstation in der Garage, Stirnlampe auf dem Kopf und ausgeprägten Survival-Skills, die bei einer Zombie-Apokalypse die letzten Überlebenden wären, mit denen man dann eine neue Zivilisation aufbauen müsste. Und ja – natürlich gibt es die.

Es gibt aber auch Menschen wie mich, die einfach ein bisschen besser vorbereitet sein möchten.

Ich habe dabei gar keine speziellen Krisenszenarien vor Augen. Ich weiß genauso wenig wie ihr, ob Putin seine Drohung wahr macht und vor 2029 einen Nato-Staat angreifen wird. Es kommt mir sogar ziemlich abgehoben vor, darüber auch nur nachzudenken. Wenn meine aus Schlesien geflohene Oma früher raunte:

Der Russe kimmt irjendwann zruck, glaub mer, mei Kind!“,

dann habe ich sie belächelt. Heute schäme ich mich bald dafür:

Nicht, dass sie am Ende noch Recht gehabt haben wird.

Immerhin hat selbst BKK-Vizepräsident René Fuchs erst vor Kurzem an uns alle appelliert, die Bedrohung aus dem Osten ernst zu nehmen. Das lässt mich persönlich schon aufhorchen, wenn aus den Reihen der obersten Krisenvorsorgebehörde Derartiges geäußert wird. Ob er Recht hat, weiß ich nicht.

Was ich sicher weiß: Es wird um uns herum immer ungemütlicher, und das auf allen möglichen Ebenen.

Es wird immer heißer auf der Welt, die Naturkatastrophen nehmen zu, wir haben gerade erst eine Pandemie erlebt, und ich sehe überall Anzeichen von Klimaflucht. Was mich wiederum an meinen Opa erinnert, der schon in den Achtzigern immer prophezeit hat, alle Afrikaner würden vor der Hungersnot und der Aussichtslosigkeit fliehen und deshalb in Boote Richtung Europa steigen.

Ja, ich glaube, ich darf mich langsam wirklich bei meinen Großeltern dafür entschuldigen, ihre Aussagen nie ernst genommen und ihre Weitsicht nicht bemerkt zu haben.

Vom allgemeinen, politischen „Rechtsruck“, der uns umgibt, ganz zu schweigen. Ich finde, man muss schon ziemlich blind sein, um es nicht zu bemerken:

Frieden, Freiheit, Demokratie, Klima und Ressourcen rinnen uns durch die Hände.

Alles Dinge, die wir zu lange für selbstverständlich gehalten haben, wackeln und wanken. Vielleicht geht nicht alles direkt den Bach runter. Eventuell ist unsere Demokratie wehrhafter, als wir denken (hoffentlich!). Bestimmt können wir manche Dinge noch zum Guten wenden. Das Klima lässt allerdings nicht mit sich verhandeln. Da sehe ich langsam Schwarz. Und finde…

Es schadet nicht, sich ein bis zwei Gedanken darüber zu machen, was wäre wenn:

  • Was wäre, wenn der Strom bei einem Blackout länger ausfällt?
  • Was wäre wenn ich hier im Hamburger Elbvorort eine Überschwemmung erlebe?
  • Was wäre wenn uns zu Hause wieder ein Feuer heimsucht (2021 ist vor unserer Haustür ein LKW abgebrannt und hätte um ein Haar die gesamte Häuserreihe in Brand gesteckt)

Diese Szenerien haben gar keinen solch abstrusen Charakter. Inzwischen kennt fast jeder jemanden, der schon von Naturkatastrophen betroffen war. Ich habe eine Freundin, bei der die Düssel neulich nach einer lang anhaltenden Regenphase auf einmal mitten durchs Wohnzimmer geflossen ist.

Und trotz solch greifbarer Beispiele fällt es uns oft schwer, das große Ganze im Blick zu behalten.

Wir tun solche Vorkommnisse gern als bedauerliche Einzelfälle ab, weil wir sonst einsehen müssten, dass wir alle ein ziemlich großes Problem haben. Es macht mich manchmal schon wütend, zu sehen, mit welchen Pseudo-Problemen sich die Menschen beschäftigen, anstatt die wirklichen Baustellen zu sehen und anzugehen. Dann denke ich: Das wird alles so unwichtig werden:

  • Wer die Fußball-Europameisterschaft gewinnt?
  • Welche Stars sich Ozempic spritzen?
  • Wir regen uns heute über die Kita-Misere auf oder über die Rentenreformpläne der Bundesregierung.

Wenn demnächst kein Wasser mehr aus dem Hahn kommt, haben wir ganz andere Probleme.

Oder wenn die Bomben nicht mehr nur über Kiew runtergehen, sondern über einem NATO-Staat. Dann werden wir uns diese Probleme noch zurückwünschen. Aber nein, ich will keine Panik schüren.

Ich wünsche mir einfach nur, dass wir alle ein bisschen mehr vorausschauen.

Und uns überlegen: Was kann ich tun, um nicht völlig unvorbereitet in solche Szenarien zu stolpern? Wie kann ich persönlich widerstandsfähiger werden (Stichwort: Resilienz)? Ich wünsche mir, dass wir uns wieder darauf konzentrieren, uns ganz pragmatisch wichtige Fähigkeiten anzueignen und uns zum Beispiel fragen: Wann habe ich eigentlich den letzten Erste-Hilfe-Kurs gemacht?

Was ich mir aber vor allem wünsche, ist Zusammenhalt: In guten wie in schlechten Zeiten

Vielleicht könnt ihr eure Nachbarn nicht ausstehen. Oder ihr kennt sie nicht einmal, weil ihr in einer anonymen Großstadt wohnt. Vielleicht würdet ihr aber „in schlechten Zeiten“ (Zitat Oma) sehr davon profitieren, dass eure Nachbarin neuerdings Obst einweckt (wie meine Oma früher) und hättet kein Thema damit, ihr im Gegenzug mit frisch gebackenem Brot auszuhelfen. In Krisenzeiten wollt ihr nicht ignoriert werden. Das funktioniert aber nur, wenn man sich kennt. Sich vielleicht vorher im Hausflur mal anlächelt und freundlich grüßt, statt sich zu ignorieren.

Ich bin überzeugt: Unsere wichtigste Vorbereitung besteht nicht (nur) aus Notstromaggregaten, Stirnlampen und Kurbelradios.

Sondern darin, Gemeinschaften zu bilden. Zusammenhalt wird in Krisenzeiten unsere Superpower sein. Solidarisch preppen ist heute schon ein riesiges Thema und zieht das Prepping an sich hinüber in die politisch eher linke Ecke. Dort, wo ich mich selbst auch eher verorten würde.

Fazit: Ja, ich bereite mich vor, aber mit Besonnenheit.

Ich bunkere nicht sinnlos irgendwelche Sachen, sondern richte mir nach und nach einen gut funktionierenden, rollierenden Lebensmittelvorrat ein, den ich auch wirklich nutze und der den guten Nebeneffekt hat, dass nichts mehr schlecht wird.

Außerdem packe ich mir keinen riesigen Trekking-Rucksack mehr als Fluchtrucksack, sondern stelle mir ein kleines Notgepäck in den Flurschrank, falls Oma mal wieder aufgrund eines Bombenfunds in eine Notunterkunft muss.

Und ich vernetze mich mit meiner Nachbarschaft und bin gut darüber informiert, was hier passiert – und weiß, wen ich fragen muss, wenn ich es herausfinden will.

Mit anderen Worten: Ich nehme Maßnahmen vor, die mich ein bisschen ruhiger schlafen lassen. Alles andere habe ich nicht in der Hand.

Und ich bin noch längst nicht dort angekommen, wo ich in Sachen Vorbereitung gern sein möchte. Im Gegenteil. In vielen Bereichen bin ich selbst noch absolute Anfängerin und teile hier meine Erfahrungen mit euch. Begleitet mich zum Beispiel in den nächsten Wochen dabei, wie ich meinen „Keller des Grauens“ aufräume und dort einen kleinen Supermarkt für uns einrichte.

Mein Anliegen ist es, euch ein klein wenig damit anzustecken.

Zivilschutz muss uns allen viel, viel wichtiger werden – und uns muss klar sein, dass dieses Thema nicht allein in der Verantwortung der Regierung liegt, sondern vor allem bei uns selbst.

In diesem Sinne – Happy Prepping, ihr Lieben!

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